Wie setzen sich die Preise eines Fotografen zusammen?

„Das ist mir zu teuer“

Ein Satz den vermutlich jeder Selbständige öfter mal zu hören bekommt – ich auch.

Gerade bei aufwändigen Fototerminen wie einem Neugeborenshooting oder Hochzeitsreportagen macht sich das bemerkbar. Manchmal gibt es dann noch den Vergleich mit dem Fotografen um die Ecke, der Fotokette oder Onkel Bob der ja eine ganze Hochzeit für 100€ fotografiert!!!

Im folgenden Beitrag möchte ich dem entgegen wirken und etwas mehr Transparenz  in meine Preiskalkulation bringen. Besonders nachdem ich heute wieder Beiträge an die Handwerkskammer und die Krankenkasse zahlen darf. Natürlich muss ich essen, trinken, unser Haus abzahlen und den Kindergarten bezahlen, ihr kennt ja selbst gut eure unumgänglichen Ausgaben…

Außerdem bin ich ein Einfrau Unternehmen mit nicht mehrere hundert Kunden am Tag wie z.B. die gängigen Fotoketten, sondern ich mache wenige, ausgewählte Aufträge. So wird es bei euch auch so sein, das ich an diesem Tag kein weiteres Shooting nach oder vor deinem habe. Zum einen da ich kleine Kinder habe die zum Kindergarten und in die Schule gehen, d.h. Für mich ich habe auch gar nicht mehr Zeit zur Verfügung um die Kosten umzulegen. Zum anderen konzentriere ich mich so  gänzlich auf euch.

Die meisten denken, dass die Arbeit eines Fotografen sich auf die Zeit des eigentlichen fotografieren beschränkt. Im Normalfall beträgt aber das Fotografieren gerade mal ca. 10-20% des Arbeitstages. Tatsächlich besteht der größte Teil aus arbeiten am PC, nämlich die Postproduktion! Dem aussortieren der Bilder (puh das verschlingt echt viel Zeit da ich dies wirklich sehr gewissenhaft mache – überleg mal wie lange du bei deiner Auswahl brauchst), farbliche Korrekturen, anpassen des Bildausschnittes und Retuschen, hochladen zur Auswahl und natürlich noch der Mailverkehr. Hinzu kommen Arbeiten wie Marketing, Buchhaltung, Anfragen bearbeiten und der Vorbereitungen für Shootings. Da ich einige Kostüme selber entwerfe oder Accessoires für Kindershooting selber bastle geht dort auch viel Zeit drauf.

Hier mal ein klassisches Beispiel meines Zeitaufwandes bei einem  2 Stündigen Neugeborenenshooting:

Das Studio wird für DICH hergerichtet, nach dem Shooting setze ich mich gleich an den PC und sichere DEINE Bilder. Somit muss ich mit den wenigen Aufträgen das gesamte Jahr über alle Kosten decken. Auch zu berücksichtigen sind die Löcher in den Wintermonaten und den Sommerferien.

  • Vorgespräch/Mailverkehr: ca. 30 Minuten
  • Auswahl der Requisiten/Vorbereitung des Ateliers: ca. 30 Minuten
  • Shootingzeit:  2 Stunden (mit Begrüßung, Pausen für Stillen, Windelwechsel, beruhigen des Babys wird es meistens länger)
  • Aufräumen und reinigen des Studios und der Requisiten: 30 Minuten
  • Postproduktion am PC und Erstellung der Webgalerie: ca. 3 Stunden
  • Gesamtaufwand: ca. 6 1/2 Stunden für einen Auftrag bei mir im Atelier

Ein größeres Gewicht für die Kalkulation ist der Kostenaufwand:

  • Atelier (Es liegt in meinem Haus, aber auch da entstehen Kosten wie Strom, Heizung und Wasser (z.B. bei einem Badewannenshooting)
  • Homepage:  Eine Homepage ist heutzutage schon ein MUSS. Hier können sich potenzielle Kunden Leistungen und Referenzen anschauen. Die Seite muss gepflegt, bezahlt und immer auf dem neusten Stand gehalten werden.
  • Anschaffungen wie Kamera, Objektive, Blitzanlage, Aufheller, Softboxen, Schirme, ect.
  • Requisiten wie Hintergründe, Dekorationen, Hocker, Decken, Babykleidung und vieles mehr damit ihr eine schöne Auswahl habt und ich euch immer neues anbieten kann.
  • Berufliche Aufwendungen wie Versicherungen, Haftpflicht, Genossenschaft, Handwerkskammer, ect.
  • Workshops/Vorbildungen: Ich bin eine Person die dazulernt und gerne neues ausprobiert und sich stetig weiterentwickeln möchte. Daher sind mir Workshops sehr wichtig um das beste aus mir und meinen Bildern herauszuholen. Und das kommt dann auch euren Bildern zugute.

Eigentlich müsste ich wesentlich mehr verlangen damit ich über die Runden komme (Mein Steuerberater sagte mal als Selbständiger sollte man einen Stundenlohn von 120 Euro anstreben).

Mit diesem kleinen Beitrag wollte ich mal einen Eindruck meines Alltag vermitteln, um zu zeigen, dass meine Arbeit nicht aus dem Knipsen eines Momentes besteht. Ich möchte auch keine Konkurrenz zu den Fotoketten darstellen, denn den Preiskampf kann ich nur verlieren und möchte ich gar nicht erst anfangen. Ich möchte das Kunden zu mir kommen die meine Arbeit wertschätzen und nicht, weil ich die günstigste Alternative bin.

Ein Shooting macht man nicht alle Tage, sollte es einem nicht wert sein, ein wenig darauf hinzusparen, um die Bilder zu bekommen, die man sich eben wünscht? Manche Momente wie z. B. Schwangerschaft, Hochzeit oder Neugeborene kommen eben nie wieder. Die hat man nicht oft im Leben und sind das nicht Erinnerungen, auf die man gerne hinspart? Bei einem Fotografen, der sein Handwerk versteht? Der sich Zeit nimmt? Sich Gedanken zu einem persönlich macht und von dem man mit einem Lächeln nach Hause fährt?

Danke das du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir einen schönen Tag und schicke ein dickes Herzchen ♥

Stephi

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